Übersicht: NewsErstellt am: 25.02.2026

Erfolge der Krebsforschung made in NRW

3. Onko-Talk zu den Themen „Lymphome und CAR-T-Zellen“

Zum dritten Mal haben das Centrum für Integrierte Onkologie der Uniklinik Köln (CIO Köln) und das Westdeutsche Tumorzentrum der Universitätsmedizin Essen (WTZ Essen) – gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft zum „Onko-Talk NRW“ eingeladen. Unter dem Motto „Forschungsdurchbrüche aus Nordrhein-Westfalen, die die Onkologie verändert haben“ kamen am Montag, 19. Januar 2025, rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem informativen und zugleich lebendigen Abend ins CIO der Uniklinik Köln.

Moderatorin Sarah Majorczyk eröffnete die Veranstaltung mit einer persönlichen Dimension des Themas, denn Forschungserfolge seien kein abstraktes Konstrukt, sondern könnten „rauschartige, positive Gefühle hervorrufen – und vielen Menschen das Leben retten“. Einen beeindruckenden aktuellen Forschungsdurchbruch stellte daraufhin Priv.-Doz. Dr. Othman Al-Sawaf von der Uniklinik Köln vor. Seine internationale Studie zur chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) zeigte erstmals, dass eine zeitlich begrenzte, einjährige Therapie genauso wirksam ist wie eine jahrelange Dauerbehandlung. „Das war der erste Beweis weltweit, dass wir Patientinnen und Patienten nicht zwangsläufig über viele Jahre behandeln müssen“, erklärte Al-Sawaf. Für die Betroffenen schaffe das wertvolle terapiefreie Zeit, in der die Erkrankung unter Kontrolle ist. Die Ergebnisse wurden kürzlich international publiziert und veränderten den Behandlungsstandard weltweit.

Univ.-Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin und des CIO Köln, ordnete anschließend die Entwicklung bei der CLL grundlegend ein: Noch vor wenigen Jahrzehnten sei die chronische lymphatische Leukämie im fortgeschrittenen Stadium „eine prinzipiell in kurzer Zeit tödliche Erkrankung“ gewesen. Heute zeigten die Studiendaten eine progressionsfreie Krankheitskontrolle von über 90 Prozent nach drei Jahren. „Das ist eine komplette Veränderung der Therapie in drei Jahrzehnten – hin zu einer kontrollierbaren Erkrankung mit einem Jahr Therapie“, sagte Hallek. Forschung aus NRW setze damit weltweit neue Standards.

Ein weiteres Beispiel für diesen Fortschritt lieferte Prof. Dr. Peter Borchmann, Oberarzt an der Uniklinik Köln und Leiter der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG), der weltweit größten akademischen Forschungsgruppe zum Hodgkin-Lymphom. Er zeigte eindrücklich, wie sich die Überlebenskurven im Verlauf von Jahrzehnten verschoben haben: Während früher fast alle Betroffenen starben, liege das Gesamtüberleben heute bei rund 99 Prozent. Entscheidend sei jedoch nicht nur das Überleben selbst, „sondern die Frage, wie die Patientinnen und Patienten nach der Therapie weiterleben.“ Erst durch die systematische Einbindung von Patientinnen und Patienten sei klar geworden, dass nicht kurzfristige Nebenwirkungen entscheidend seien, sondern ob diese auch langfristig verschwinden – ein Aspekt, der heute fester Bestandteil der Studienplanung ist.

Eine zentrale Rolle nahm die Perspektive der Patientinnen und Patienten ein. Lisa Schröter, die mit Anfang 20 an einem Hodgkin-Lymphom erkrankte, schilderte, wie sehr die Erkrankung ihr Leben aus der Bahn geworfen habe – und wie isoliert sich junge Erwachsene mit Krebs oft fühlen. Zu alt für die Kinderstation, zu jung für den normalen Klinikalltag, fehle es häufig an passenden Angeboten. Heute engagiert sie sich in der Stiftung Junge Erwachsene mit Krebs und bringt sich aktiv in Studiengruppen ein. Ihr Anliegen: Patientinnen und Patienten nicht nur als Betroffene, sondern als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebensrealität ernst zu nehmen.

Auch Jörg Malsam, der seit 2003 mit einem Mantelzell-Lymphom lebt, machte deutlich, was Forschungsfortschritt konkret bedeuten kann. Nach mehreren Rückfällen erhielt er 2023 eine CAR-T-Zelltherapie – eine hochkomplexe Immuntherapie, die für ihn gerade noch rechtzeitig verfügbar war. Heute ist er krebsfrei. Besonders hob er das Vertrauen hervor, das er in das Behandlungsteam der Uniklinik Köln hatte: Sicherheit und Verlässlichkeit seien in einer Situation, in der es um Leben und Tod gehe, von zentraler Bedeutung.

Eine wichtige politische Einordnung lieferte NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes. Sie machte deutlich, dass die Erfolge der Onkologie in Nordrhein-Westfalen ein wesentlicher Grund dafür seien, gezielt in diesen Bereich zu investieren. Das Land setze auf eine Forschungspolitik, die vorhandene Stärken konsequent ausbaue. Für die Universitätsklinika in NRW stünden insgesamt eine Milliarde Euro aus dem Sondervermögen des Bundes zur Verfügung, ein Teil davon solle gezielt in die Krebsforschung fließen. Ziel sei es, Forschung, Digitalisierung und Versorgung so weiterzuentwickeln, dass Fortschritte schneller bei den Patientinnen und Patienten ankommen.

Zum Abschluss hob Univ.-Prof. Dr. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) am WTZ Essen, eine wichtige Voraussetzung für Forschungserfolgen hervor, denn große medizinische Durchbrüche entstünden nicht isoliert: „Solche Erfolge entstehen nur im Zusammenspiel vieler Akteure – in Netzwerken, nicht im Alleingang.“

Der 3. Onko-Talk NRW zeigte einmal mehr eindrucksvoll, wie das Zusammenspiel aus Forschung, Klinik, Politik und Patientenbeteiligung in Nordrhein-Westfalen funktioniert – und warum onkologische Forschung aus NRW international Maßstäbe setzt.